Guru-Shishya-Parampara

Die Geheimnisse des Yoga wurden über Jahrtausende mündlich oder durch Übertragung von Energie vom Guru an die fähigsten Schüler weitergegeben. Diese traditionelle Form der Überlieferung von teilweise geheimen Lehren und Praktiken nennt man "Guru-Shishya-Parampara", die auf den Gott Shiva zurückgehende Erbfolge von Meister und Schüler. Sie ist besonders im Yoga von allerhöchster Bedeutung, fand ihren Ausdruck aber auch in der klassischen indischen Kunst, wie z.B. in der Musik und im Tanz. Will ein Schüler das seltene Privileg erhalten, in diese göttliche Linie aufgenommen zu werden, muss er über einen ausgeprägten Lerneifer und geeignete Qualitäten verfügen.
 


 
Reinhard Gammenthaler war der letzte Schüler von Dhirendra Brahmachari. Nach Jahren intensiver Vorbereitung in der Schweiz und in Westafrika kam er 1988 nach Delhi, wo er im Hause seines Gurus mit den Pranayama-Techniken bekannt gemacht wurde, wie sie in der Yoga-Shastra dargelegt sind. Ein Jahr zuvor hatte Dhirendra Brahmachari seine Ashrams in Indien geschlossen, da er bis zu diesem Zeitpunkt keinen ernstlich gewillten Schüler und Nachfolger gefunden hatte. Reinhard bekundete tiefstes Verlangen, selber ein Yogi zu werden, und so schickte ihn der Guru in den Aparna Ashram in einem entlegenen Bergtal des indischen Kashmir, wo er während mehreren Jahren vollkommen zurückgezogen praktizierte und in die vielfältigen subtilen Wirkensweisen von Pranayama, Mudra und Svara eingeführt wurde. Der Höhepunkt dieser empirischen, abenteuerlichen und nicht ungefährlichen Studien war 1993, als Reinhard "Diksha" erfuhr, die Einweihung durch seinen Guru beim Naina Devi Mandir auf einem Berg in der Nähe von Mantalai (J & K). Dort erhielt er den Auftrag, das Werk seines Meisters weiter zu pflegen, was er nach dessen Ableben tat, indem er seine persönliche Sadhana weiterführte, nach der Jahrtausendwende zu unterrichten begann und die beiden Bücher von Dhirendra Brahmachari um das dritte und letzte Buch über "Mudra & Pranayama" ergänzte.
Mit der Publikation der "Kundalini Yoga Parampara", einem umfassenden Gesamtwerk über die Philosophie und Praxis des Hatha Yoga, erwies er dem Erbe seines Gurus den gebührenden Respekt.